Historie Aikido


Ueshiba - Entwicklung des Aikido`s

   

A i k i d o
(jap): "Weg der göttlichen Harmonie"

Defensive moderne japanische Kampfkunst. Entstanden zwischen 1925 und 1969, dem Todesjahr des Gründers und Großmeisters Ueshiba Morihei. Entwickelt in seinem Dojo, dem Kobukan in Tokio, und dem Aiki Jinai in Iwama, aus dem klassischen Daito Ryu Aikijutsu (Großer östlicher Stil des Schwertkampfes). Zuerst als Kobojutsu, dann Akibujutsu und Aikibudo zu einer neuen Methode des Budo entwickelt und später als Aikido bezeichnet. Die innere Übertragungslinie läuft direkt vom Gründer zum Aikikai (Aikikai Foundation Tokyo, Japan), dem Moriteru Ueshiba Doshu heute vorsteht.


Ueshibas Konzept

Was Meister Ueshiba in allen japanischen Kampfkünsten jener Zeit am meisten vermisste, war die Entwicklung von Energie durch Sanftheit und Harmonie. Er suchte vergeblich viele Jahre und konnte die Lösung zur Verwirklichung seiner Vorstellungen dennoch nicht finden. Dann begegnete er dem Oberhaupt einer esoterischen Sekte, dem Mönch Deguchi Onisaburo. Die philosophischen Vorstellungen dieses Priesters (Einheit zwischen Geist und Körper, Lebensenergie und kosmische Vitalität u. a.) faszinierten ihn so sehr, daß er sich in Ayabe niederließ und jahrelang Omoto Kyo (Grundlagenlehre der heute bedeutungslosen Sekte der großen Quelle) unter Deguchi studierte. Dieses Studium bestand hauptsächlich aus den Meditationstechniken des Koto tama ("wahre Worte", die Wissenschaft der Töne) und philosophischen Gesprächen.
Durch diese Studien, vor allem durch Koto tama, veränderten sich seine Gedanken über die Kampfkunst grundlegend. Den Begriff "Kampf" soll es später in seinem Bewußtsein nicht mehr gegeben haben (diese Theorie ist interpretierbar und daher umstritten.).
Durch tiefgreifende philosophische Überlegungen veränderte er die bisherigen Prinzipien des Daito Ryu und nannte seine Kunst Aikibujutsu (Kampfkunst der Harmonie). Darin lehrte er eine besondere Art der Verteidigung, eine "Kunst des Lebens" die auf dem Prinzip des Ai (Harmonie) beruht.
Diese Kunst verbindet den Geist der Entscheidung, das Wissen um die Anatomie und die Schnelligkeit der Reflexe in der Ausführung von Verteidigungsbewegungen gegen einen oder mehrere Gegner. Im Gegensatz zu Jujutsu lehnt Aikido den direkten Griffkontakt und den kraftvollen Körpereinsatz (Kime) gegen einen Angreifer ab.
Es lehrt wirkungsvolle Verteidigungstechniken durch Würfe (Nage) und Haltetechniken (Katame), in dem die Kraft des Angreifers geschickt aufgelöst oder auf diesen zurückgeführt wird. Dies wird durch ein harmonisches Spiel von Ausweichbewegungen (Tai Sabaki), mit denen die Kraft des Angreifers gegen diesen selbst gerichtet werden kann, ermöglicht.

Ueshiba war ein zutiefst religiöser Mensch und wollte, daß seine Techniken zur Harmonie zwischen allen Menschen beitragen. So definiert er seine Kunst selbst als "Weg der Liebe zwischen den Menschen". Auf diese Weise verwirklichte er auch einen alten japanischen Leitsatz aus dem Schwertkampf (Kuatsu jen ken), was soviel bedeutet wie "Den Menschen durch das Schwert zum Leben erwecken". (Anmerkung: Kuatsu ist die japanische Kunst der Wiederbelebung und der Ersten Hilfe, ähnlich dem hierzulande bekannten Shiatsu).
Nach Ueshiba war alles schlecht in einem Menschen, was gegen das Konzept des Aiki (jap. „die Suche nach dem Ki“) verstieß. Ueshiba legte in seiner Kunst eine besondere Betonung auf die Verwirklichung einer harmonischen Verbindung zwischen der Lebenskraft (Ki) und dem Körper (Tai) mit der Natur gleichermaßen, aber auch die Harmonie (Ai) zwischen Geist (Shin) und Moral (Ri), die durch den Weg (Do) symbolisiert werden. Wenn die Menschen untereinander das intuitive Verständnis der Harmonie aller Dinge erkannt haben und der Liebe zwischen allen Wesen durchdrungen sind, können sie einen höheren Daseinszustand erreichen, in dem sie sich vor der eigenen Furcht, vor der Feigheit, vor der Trägheit und vor dem Hochmut schützen können.
Auf diese Weise können sie wahre Freiheit erreichen und erfahren.

Das Techniksystem

Für den Übenden (Aikidoka) haben im Aikido alle Bewegungen das Ziel die körperlichen und seelischen Blockaden aufzulösen (entsprechend den chinesischen Lehren des Qigong). Ihm zu einer richtigen Atmung (Kokyu) in Übereinstimmung mit seinen Bewegungen zu verhelfen und sich in Harmonie mit seiner Umgebung zu befinden. Wenn der Aikidoka richtig atmet und seine Haltung natürlich und ohne Verspannung ist, ist der Blutkreislauf intakt, und er erreicht ein perfektes körperliches und seelisches Gleichgewicht, das im Zentrum (Hara/Tanden) seines existentiellen Schwerpunktes ruht. Dann kann er, ohne wirklich Kraft aufzuwenden, Angriffe (vielleicht) voraussehen, sie abwehren oder parieren und den Angreifer nach dem Prinzip des Aikido mit großer Schnelligkeit werfen oder immobilisieren, immer in einem Kreis, dessen Zentrum das eigene Hara ist. Aikido ist daher in seiner Essenz die Vorbereitung zu einer inneren Verfassung im Menschen, durch die die Verbindung zwischen dem Selbst und der kosmischen Welt in den körperlichen Bewegungen sichtbar wird und sich dort nicht als Gegensatz, sondern als Zustand von Einheit und Harmonie mit dem angreifenden Partner ausdrückt. Daraus folgt, daß die Bewegungen weich ausgeführt werden müssen und entweder in einer kreisförmigen Ura-Bewegung (Tenkan) oder einer geradlinigen Kraftumlenkung (Irimi) münden.

Folgende Technikenkategorien dominieren Aikido und bilden die Basis aller Aikidobewegungen.
Katame Waza (Kontrolle des Angreifers durch Haltegriffe) und Nage waza (Werfen des Angreifers). Daraus resultieren hunderte Technikvarianten, die vermutlich aus alten Katas des Daito-Ryu Aikijutsu abgeleitet wurden.

Nach verschiedenen Kampfkunsthistorikern hat Aikido seinen Ursprung in der Lehre der Minamoto-Samurai der Kamukura Periode (1185 - 1333), dessen Grundtechniken von mehreren Mitglieder der Minamoto-Familie entwickelt wurden. Später hatten Mitglieder der Kai und der Aizu Takeda-Familie (beides Abkömmlinge der Minamoto) die Kampfkunst Aikijutsu perfektioniert und die vitalen Nervenpunkte des menschlichen Körpers (Kyusho) definiert, welche man treffen mußte (Atemi), um einen Angreifer zu lähmen, kampfunfähig zu machen oder gar zu töten. Aikido wird durch Atemi waza vervollständigt, in denen meist die Tegatana (Schwerthand) verwendet wird. Im direkten Kampf wurden damit Konter.- Angriffs.- und Gelenktechniken (Kansetsu waza), Halte.- und Immobilisationstechniken (Osaekomi waza) und Würgetechniken (Shime waza) ausgeführt.

Das vollständige Training des modernen Aikido umfaßt daher Übungen mit dem Katana (Schwert), Bokken (Holzschwert), Jo (Stock) und gelegentlich Tanto (Messer/Dolch). Früher beinhaltete es alle Kriegswaffen und Kampfstrategien der Samurai.







Autor unbekannt, überarbeitet von N.W.S. Freyer im Nov. 2007 im Auftrage der TVB-Aikidoabteilung